Der 67. Deutsche Rudertag beschließt Beitragsanpassung
Der 67. Deutsche Rudertag hat am vergangenen Wochenende in Halle (Saale) die vom Präsidium des Deutschen Ruderverbandes (DRV) vorgeschlagene Beitragsanpassung mit komfortabler Mehrheit beschlossen. Demnach werden ab 1. Januar 2025 die Beiträge für Vereine pro Mitglied erhöht. Entgegen des ursprünglichen Vorschlags bleiben Kinder bis 14 Jahren beitragsfrei.
Arbeitskreise und Eröffnungsabend am Freitag
Am Freitagnachmittag startete der 67. Deutsche Rudertag in der Georg-Friedrich-Händel-Halle mit drei Arbeitskreisen. In den gut besuchten Runden zu den Themen Leistungssport, Finanzen sowie Verbandsentwicklung und Vereinsservice wurde vier Stunden lang ausgiebig informiert und diskutiert.
Am Abend wurde mit den Grußworten des Bürgermeisters der Stadt Halle (Saale) Egbert Geier, der Ministerin des Innern und Sport des Landes Sachsen-Anhalt Dr. Tamara Zieschang und der Präsidentin des Landessportbundes Sachsen-Anhalts Silke Renk-Lange der 67. Deutsche Rudertag offiziell eröffnet. Dabei ging die Ministerin positiv auf die Aufarbeitung zur Zeit des Rudersports im Nationalsozialismus ein. Im Auftrag des Deutschen Ruderverbandes (DRV) hat das Niedersächsische Institut für Sportgeschichte ein Gutachten dazu erstellt.
Durch den weiteren Abend führte Maximilian „Max“ Planer, langjähriger Ruderer und mehrfacher Europa- und Weltmeister. Er interviewte die Bronzemedaillengewinnerinnen der Olympischen Spiele 2024 des Frauendoppelvierers mit Maren Völz, Leonie Menzel, Pia Greiten und Tabea Schendekehl sowie die Bronzemedaillengewinner der Paralympischen Spiele 2024 im Para Mixed-Doppelzweier Hermine Krumbein und Jan Helmich. Auf die Frage von Max, was aus Perspektive der Athletinnen und Athleten zu verändern sei, wünschte sich Leonie Menzel mehr Wertschätzung für ihre Trainings- und Sportleistungen.
Seit dem Rudertag 1958 wird die Plakette für besondere Verdienste verliehen. In diesem Jahr an Brigitte Bielig für ihre langjährige Tätigkeit als Bundestrainerin beim DRV (zuletzt als Cheftrainerin), an Lothar Trawiel für seine langjährige Tätigkeit als Bundestrainer, an Bernd Nennhaus als langjähriger Landestrainer und Honorar-Bundestrainer, an Marc Hildebrandt für sein langjähriges Wirken als Vorsitzender der Deutschen Ruderjugend und im DRV-Präsidium sowie an Michael Hehlke für sein langjähriges Engagement als Geschäftsführer des Landesruderverbandes Berlin.
Zum Abschluss des Abends zeichneten die DRV-Präsidiumsmitglieder Dr.Martina Schott und Marc Hildebrandt vier Vereine mit dem DRV-Vereinspreis zu gelungenen Angeboten zu Integration und Inklusion aus:
- Platz: Bernkasteler Ruderverein 1874 e.V.
- Platz: Karlsruher Rheinklub Alemannia e.V.
- Platz: Ruderclub Rapid Berlin e.V. und Marbacher Ruderverein von 1920 e.V.
Mitgliederversammlung am Samstag
Der DRV-Vorsitzende Moritz Petri startete den Samstag mit seinem Bericht über die Präsidiumsarbeit der letzten zwei Jahre und stellte in teils emotionalen Worten die finanzielle Schieflage des Verbandes dar. Noch im November 2023 hatte die Kasse nach der obligatorischen betriebswirtschaftlichen Prüfung ein leichtes Plus ausgewiesen. Zum Jahreswechsel trafen dann immer mehr Mahnungen über unbezahlte Rechnungen ein. Daraufhin ließ der Vorstand unter der fachlichen Beratung, maßgeblich unterstützt von Wolfgang David (DRV-Ehrenmitglied) und seiner Steuerkanzlei sowie von Wilhelm Hummels (Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen) die Finanzen des Verbandes eingehend prüfen. Das Resultat ergab ein Minus von 285.000 Euro. Es erging eine Haushaltssperre, die bis heute Bestand hat. Das Defizit konnte unter Zugriff auf die gebildeten Rücklagen von rund 600.000 Euro ausgeglichen werden.
Der stellvertretende Vorsitzende Dr. Lars Koltermann, seit 1. Januar diesen Jahres als Vorstand Finanzen als Nachfolger des zurückgetretenen Torsten Gorski im Amt, informierte das Plenum über den aktuellen Kassenstand. Demnach erwartet der Verband auch für 2024 ein negatives Ergebnis, das erneut aus den Rücklagen finanziert werden müsse. Basierend auf den vorliegenden Zahlen von Ende September 2023 würde die Rücklage dann voraussichtlich auf 220.000 Euro schmelzen.
Anschließend stellte Dr. Lars Koltermann den Antrag auf Beitragsanpassung vor. Nach den Gesprächen im Arbeitskreis Finanzen am Vortag, stellte das Präsidium einen veränderten Antrag als vorher veröffentlicht vor. Dabei bleiben Mitglieder unter 15 Jahre beitragsfrei. Um jedoch die nötigen finanziellen Mittel für die weitere Arbeit zu generieren, sollten ab 2025 die jährlichen Beiträge pro Mitglied um 4,10 Euro auf 18,30 Euro erhöht und ab 2026 um weitere 1,70 Euro auf dann insgesamt 20,00 Euro jährlich pro Mitglieder ab 15 Jahren steigen. Nach ausführlicher Diskussion stimmten die 165 anwesenden Delegierten mit 75 Prozent ihrer Stimmen für diesen Schritt zur angestrebten finanziellen Konsolidierung des Verbandes.
Als weitere zusätzliche finanzielle Einnahme kostet die Beantragung eines Aktivenpasses künftig jährlich zehn Euro. Der Aktivenpass muss jedes Jahr neu beantragt werden. Bislang wurde das Dokument einmalig ausgestellt und galt zeitlich unbegrenzt. Für diese Änderung votierten 76 Prozent der Vereinsvertreter:innen in der Georg-Friedrich-Händel-Halle. Allein die Gebühr für den Aktivenpass soll dem Verband jährlich 150.000 Euro in die Kasse spülen. Auf Antrag des Pirnaer Rudervereins beschlossen die Delegierten, dass dieses Geld zweckgebunden in wettkampfspezifische Aufgaben reinvestiert werden muss.
Den weiteren Anträgen zur Änderung der Satzung, den Ordnungen und zum Wettkampfwesen sowie den Haushaltsplänen 2024-2026 wurden ebenfalls zugestimmt.
Bei den Wahlen zum neuen Präsidium, das nach der 2022 in Hannover beschlossenen Strukturreform ehrenamtlich als „Aufsichtsrat“ des noch zu bestellenden hauptamtlichen Vorstandes fungiert, sprachen die Delegierten Moritz Petri (Münchner RC) als neuen Präsidenten mit 88,89 Prozent Ja-Stimmen (864) ihr großes Vertrauen aus. Auch die vier Vizepräsidenten Axel Eimers (RTG Wesel/79,12%/754 Stimmen), Dr. Lars Koltermann (Friedrichstädter RG/93,83%/897 Stimmen), Dr. Carina Bär-Mennigen (Heilbronner RG Schwaben/86,35%/835 Stimmen) sowie Richard Schmidt (RV Treviris Trier/85,64%/811 Stimmen) erzielten bei der Abstimmung komfortable Mehrheiten. Weiterhin gehören dem Präsidium der neu gewählte Vorsitzende des Länderrates Andreas Döpper (AAC/Norddeutscher Ruderer-Bund) sowie Sebastian Haase (DRJ-Vorsitzender) an. Damit hat der Deutsche Ruderverband einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung einer Professionalisierung und Modernisierung in seiner Verbandsstruktur gemacht.
In den Beirat Leistungssport wurden Kathrin Boron (Ruder-Club Potsdam e.V./751 Stimmen), Britta Oppelt (Hellas Titania Berlin/779 Stimmen) und Klaus Scheerschmidt (Celler Ruderverein/884 Stimmen) gewählt.
Als Rechnungsprüfer wurden Prof- Dr. Alexander Dingeldey (Regensburger Ruderverein v.1898/673 Stimmen), Prof. Dr. Martin Jonas (Bonner Ruder-Gesellschaft/674 Stimmen) und Philipp Naruhn (Hallescher Ruderverein Böllberg v.1884/815 Stimmen) gewählt.
In den Ältestenrat wurde Ralf Holzschuher (Ruder-Club-Havel Brandenburg/853 Stimmen) als Vorsitzender sowie Holger Siegler (Münsteraner Regattaverein), Peter Scholler (Bamberger RG v.1884), Dr. Joachim Götz (Neusser Ruderverein), Dr. Nicola Giglio (Frankfurter RV v.1865) und Willi Rüdel (Ruderclub Germania Boppard) als Beisitzer gewählt.
Zum Vorsitzenden des Verbandsrechtsausschusses wurde Christoph Knost (Bessel-Ruder-Club Minden) mit 891 Stimmen und zur stellvertretenden Vorsitzenden Ulrike Hartmann (Ruder-Klub Werder) mit 817 Stimmen gewählt. Als Beisitzer unterstützen zukünftig Tobias Schulz (Ruder-Club Tegel 1886), Paloma Rüdel (Ruderclub Germania Boppard), Dr. Florian Eichner (Hallesche Rudervereinigung Böllberg/Nelson) und Kerstin Greilich (Duisburger Ruderverein).
In die Regelkommission wurden Uwe Gerstenmaier (Ruderverein Waldsee 1900 e.V.) mit 760 Stimmen als Vorsitzender sowie Dr. Kurt Bauder (Mannheimer RC v.1875 e.V.), Holger Hoffmann (Pirnaer Ruderverein 1872 e.V.), Karen Molkenthin (Spandauer RC Friesen e.V.) und Alex Scholler (Bamberger RG v.1884 e.V.) als Beisitzer gewählt.
Reinhart Grahn (Ruderverband Schleswig-Holstein) wurde unter dem stehenden Beifall der Delegierten vom Präsidenten Moritz Petri zum Ehrenmitglied ernannt. Seit einer Dekade gehörte der Ratzeburg dem Präsidium als Vorsitzender des Fachressorts Bildung, Wissenschaft und Forschung an. Die letzten Jahre waren sehr geprägt von seinem ehrenamtlichen Einsatz für den Umbau und die Modernisierung der Ruderakademie Ratzeburg, dem Trainings- und Bildungszentrum des DRV, mit einem Umfang von fast 17 Millionen Euro.
Zum Abschluss lud Moritz Petri die Delegierten zum 68. Deutsche Rudertag in Hannover am 14. November 2026 ein. Jan Erik Jonescheit, Vorsitzender des Mannheimer Regatta Vereins e.V., und Christian Knab, Vorsitzender des Ludwigshafener Rudervereins von 1878 e.V., sprachen die Einladung zum 69.Deutschen Rudertag im November 2028 nach Ludwigshafen aus.
Der 67. Deutsche Rudertag in Halle (Saale) war über neun Stunden geprägt von kontroversen Diskussionen, die ganz überwiegend sachlich und konstruktiv geführt wurden. Abschließende Gespräche und Analysen führten die Rudertagsbesucher:innen bei einem üppigen Buffet und Getränken am Samstagabend im historischen Bootshaus der Halleschen Ruder-Vereinigung Böllberg von 1884 und Nelson von 1874 e.V. im SV Halle auf der Rabeninsel fort. Der Vorsitzender Christian Schreiber bot interessierten Gästen auch eine spannende Führung an.
Ein riesengroßes Dankeschön geht an die drei Ausrichter, dem Ruderverband Sachsen-Anhalt, die Hallesche Ruder-Vereinigung Böllberg von 1884 und Nelson von 1874 e.V. im SV Halle sowie dem Halleschen Ruderclub e.V. im Universitätssportverein Halle e.V. und deren zahlreiche Helfer:innen für die tolle Unterstützung bei der Organisation und Durchführung des 67. Deutschen Rudertages.
Ebenso möchten wir uns bei den ehemaligen DRV-Präsidiumsmitgliedern Dr. Martina Schott, Tobias Weysters, Marc Hildebrandt, Michael Stoffels, Reinhart Grahn, Daniel Pankatz und Katharina von Kodolitsch, bei den SatzungsAG-Mitgliedern Eler von Bockelmann, Dr. Florian Eichner, Gunnar Hegger und Christoph Brendel, Maximilian Planer, Max Mendez, der PPT GmbH, der eVoting GmbH sowie der Händel Halle Betriebsgesellschaft mbH für ihre großartige Arbeit bedanken.
Wir freuen uns auf den 68. Deutschen Rudertag am 14. November 2026 in Hannover!